„Buy Local“ is beautiful – vier Regionalkonzepte aus Europa

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Der Horizont erweitert sich. Es geht nicht mehr allein darum, dass ein Produkt die eigene Lebensqualität verbessert. Es geht auch darum, die Lebensqualität von anderen zu erhöhen. Entsprechend rückt das Produktumfeld mehr in den Vordergrund. Eigennutz und Sozialverantwortung schließen sich nicht mehr aus. Marken, die hier dem Verbraucher eine Lösung anbieten, sind attraktiv. Im kleinen Stil, beim täglichen Einkauf, ohne Einschränkung, sondern mit CSR als sinnigem Add-On, das automatisch mitgekauft wird. So die neueste Trendstudie der Otto Group.  Und das trifft den Nerv vor allem der Generation Y, der ab 1981 geborenen.

Hier kann man einen Trend zu mehr Qualität, Naturbelassenheit von Produkten und Frischeorientierung feststellen. Und einen stetigen Ansteigen des Vertrauens in „bekannte Marken“. In der Arbeitswelt werden an diese Generation hohe Anforderungen gestellt, gepaart mit dem sozialen Druck, selbst die Freizeit inszenieren zu müssen. So entsteht der Wunsch nach mehr Authentizität und Echtheit, der einen Niederschlag in ihrem Konsumverhalten hat. Hier wünschen sie sich das Gegenbild ihrer öffentlichen Inszenierung, also fragen vermehrt nach qualitativ hochwertigen Produkten zu vernünftigen Preisen und in passender Konfektionierung, denn viele sind noch Singles.

Wie reagiert der Handel? Es gibt einige spannende Ansätze. Einer davon ist die Idee des Regionalkonzeptes. Hier vier Beispiele aus Europa, unterschiedlich erfolgreich, unterschiedlich positioniert. Allesamt interessant in Hinsicht auf Markenführung und Vertrieb. 

Regionalkonzepte 1:  „Crates Local Produce“, Horsham

Auf der ganzen Welt entstehen Handelskonzepte, die auf ein regionales Sortiment setzen. Die Bildstrecke zeigt fünf Entwürfe aus fünf verschiedenen Ländern. Im südenglischen Horsham befindet sich „Crates Local Produce“. Der kleine Laden bezieht ausschließlich Produkte von lokalen Erzeugern, die hier gegen eine Monatsgebühr von 145 Euro einen Regalplatz mieten können. Die Inhaberinnen PJ Aldred und Marion Cater verkauften über viele Jahre zweimal pro Woche Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt der beschaulichen Stadt. Um ihren Kunden täglich Frischware anbieten zu können, eröffnen die beiden im vergangenen Jahr ihren eigenen kleinen Laden. Den Kern des Sortiments bilden saisonales Obst und Gemüse. Zum Frischeangebot zählen außerdem Bauernbrot, Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Speiseöle und Pastasoßen, aber auch Honig, Konfitüren, Schokolade, Säfte, Wein und Bier. „Crates Local Produce“ besticht durch seine liebevolle und natürliche Einrichtung. Die Ware wird ausschließlich in Körben oder Holzkisten präsentiert. Den Kunden werden ebenfalls Körbe für ihren Einkauf angeboten. Verpackt wird die Ware in braune Papiertüten oder Jute-Beutel. Die Umsätze gehen bis auf eine Gebühr von fünf Prozent direkt an die Lieferanten. Auf insgesamt 50 Quadratmetern werden etwa 100 Lebensmittel-Artikel angeboten. Von 60 regionalen Anbietern bezieht das Geschäft seine Produkte. Vor der Konkurrenz der Großfilialisten fürchten sich Aldred und Cater nicht. Durch wegfallende Posten wie Zwischenhandel, Zwischenkühlung und lange Transportwege können Aldred und Carter ihre Kosten gering halten.

 

Regionalkonzepte 2: „Eat & Joy“, Helsinki

In Finnland heißt das Regional-Konzept „Eat & Joy“. 2009 eröffnete in Helsinki der erste Laden seine Pforten. Zuvor hatten es die Vertreter regionaler Produkte schwer. Nicht wegen mangelnder Nachfrage, sondern weil sich die Platzhirsche S-Gruppe und Kesko 75 Prozent des Marktes teilen.  Rund 500 Hersteller beliefern „Eat & Joy“ mit regionalen und biologisch erzeugten Produkten von Rentier bis Marmelade. Der Markt setzt auf nordisches Ladendesign, das den Schwerpunkt auf viel Holz und emotionale Bilder legt. Eine erste Zweigstelle konnte „Eat & Joy“ am Flughafen Helsinkis eröffnen. Doch für das neue Konzept wird die Luft dünner: neben direkter Konkurrenz durch die Filialen „Anton & Anton“, ziehen jetzt auch die konventionellen Händler mit einem überarbeiteten Angebot nach.

 

Regionalkonzepte 3: „Landmarkt“, Amsterdam

Im niederländischen Einzelhandel machte 2011 die Eröffnung von „Landmarkt“ im Norden Amsterdams einen ersten Vorstoß in Richtung Regionalität. 50 Bauern sorgten in der insgesamt 1250 Quadratmeter großen ehemaligen Gärtnerei für ein ansprechendes Obst- und Gemüseangebot. Direkt vor Ort wurde gebacken, gekocht und geschlachtet. Neben bekannten Industriemarken waren im Sortiment zahlreiche Erzeugnisse von innovativen Jungunternehmern zu finden. Im August 2012 ging den Gründern das Geld aus. Eine Zweigstelle in Apeldoorn musste schließen. Die „Landmark“-Filiale in Amsterdam ist in den Besitz von Robert Kalter, Gesellschafter des Blumengroßhändlers Fleura Metz, übergegangen und kann so weiter bestehen.

 

Regionalkonzepte 4: „Sutterlüty“, Österreich

In Österreich sind die „Sutterlüty“-Märkte die Vorreiter in Sachen Regionalität. Laut Unternehmenschef Jürgen Sutterlüty komme 35 Prozent des Umsatzes seiner 22 Filialen von Produkten aus der Region. Mit dem Eigenlabel „Ländle pur“ kennzeichnet Sutterlüty Produkte deren Bestandteile komplett aus der Region kommen. Bei „Ländle“-Produkten ist es nur ein Teil der Bestandteile. Sutterlüty will das Thema Regionalität nicht als Marketinginstrument missbrauchen. Er will, dass Menschen erfahren, was gute Lebensmittel sind und wie diese erzeugt werden.

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