Ne runde Markengeschichte: Columbus GmbH, die Globus-Manufaktur

columbus-duplex_402611Die Welt wird im baden-württembergischen Krauchenwies erschaffen. Zumindest im Kleinen: Dort ist seit 1993 der Sitz der nach eigenen Angaben weltweit ältesten Globus-Manufaktur. „Der eine oder andere bezeichnet mich auch als den ‚Herrn der Welten‘ oder ‚Globen-Player‘ oder der Weltenmacher. Hin und wieder kommt auch eine Schlagzeile: Gott brauchte für die Erschaffung der Welt sieben Tage, Herr Oestergard nur einen.“

Wenn Torsten Oestergard über sein Familienunternehmen spricht, das er bereits in vierter Generation führt, legt sich ein dezentes Schmunzeln auf sein Gesicht. Seine Besucher empfängt er gerne im „Globus-Häusle“, dem Ausstellungsraum der Columbus-GmbH, dem nach eigenen Angaben weltweit führenden Globus-Hersteller: Und das ist das Erfolgsrezept der Columbus-GmbH in Krauchenwies: Das Sortiment umfasst Kindergloben zu 39 Euro pro Stück bis hin zu jenen kostbaren Dekorationsstücken mit Durchmessern von bis zu einem halben Meter, die in edlen, vergoldeten Gestellen die Wohnzimmer so mancher gut betuchten Zeitgenossen zieren. Kostenpunkt: um die 13000 Euro. Rund 10000 Globen pro Monat verlassen die Werkhallen in Krauchenwies, werden in alle Welt ausgeliefert. Dabei macht die Globus-Entwicklung auch nicht halt vor der digitalen Welt.

„Ja ich habe hier ein Audio, ein Think-Stift in der Hand. Und wenn ich diesen Think-Stift anmache, dann ertönt dieses Signal. Und dann brauche ich mich damit nur der Oberfläche des Globus nähern. Und schon bekomme ich Informationen: „China hat eine Fläche von 9 472 519 Quadratkilometern, in welcher 1,2 Milliarden Menschen leben.“

Darüber hinaus glaubt Columbus-Chef Torsten Oestergaard mit der Entwicklung einer eigenen Globus-App für I-Phones das Ei des Columbus gefunden zu haben.

„Wenn man sich diese App runterlädt, dann kann man sich mit seinem iPhone und seinem iPad über die Globusoberfläche bewegen. Und dann kann man verschiedene Themen anwählen wie zum Beispiel das Wetter, der Blick ins Erdinnere oder die Sehenswürdigkeiten. Und die erscheinen dann auf dieser Globus-Oberfläche – je nachdem, wo man sich gerade befindet.“

Trotz aller digitalen Technologie: Im Mittelpunkt steht nach wie vor der Globus als dekoratives Abbild der Erdhalbkugel. Und je mehr Informationen aus der digitalen Welt auf die Gesellschaft einströmen, desto höher die Nachfrage nach den Globen aus Krauchenwies.

„Es ist so, dass die Welt gerade durch diese Medien ins Wohnzimmer kommt. Wenn Sie heute Fernsehen schauen oder durchs Internet betrachten, haben Sie immer Informationen aus aller Welt. Und gerade da gehört natürlich ein Globus ins Wohnzimmer hinein. Das ist die eine, die informative Aufgabe. Und das andere ist natürlich auch die dekorative Aufgabe: So ein Globus strahlt natürlich auch aus. Der lädt Sie ein, Weltreisen zu machen oder neue Länder zu entdecken. Und ich garantiere Ihnen: Wenn Sie einen Globus zu Hause haben, und es kommen Freunde zu Besuch: Das erste, wo Sie hinlaufen, ist an den Globus!“

Und so spricht Torsten Oestergaard von steigenden Absatzzahlen, obwohl das Unternehmen über Umsatz und Gewinn keine Angaben macht. Im Jahre 1913 in Berlin gegründet, führt Oestergaard das Familienunternehmen bereits in der vierten Generation. Allerdings: In der Unternehmensgeschichte lief es in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer rund: „Ja in der Tat, die deutsche Einheit, worüber sich die Familie Oestergaard sehr gefreut hat, 1989, hatte natürlich die Situation hervorgerufen, dass unsere Globen von einem zum anderen Tag keine Gültigkeit mehr hatten. Denn in unserem politischen Kartenbild war überall das Kürzel DDR vorhanden. Das heißt: Alle unsere Kunden haben ihre Bestellungen storniert, haben die Lagerware eingepackt, zurückgeschickt und haben gesagt: Ihr könnt uns wieder Globen schicken, wenn ihr aktuelle Ware habt. Und am Ende war’s dann so, dass die Umsatzzahlen drastisch eingebrochen sind und wir einen neuen Standort suchen mussten. Und den haben wir seit 1993 in Krauchenwies gefunden und führen uns sehr wohl.“

Zumal sich seit Ende der 90er-Jahre, nach den Konflikten auf dem Balkan, nationale Grenzen nicht mehr allzu häufig verschoben haben. Das ist gut fürs Globus-Geschäft. Und dass das kleine Örtchen Krauchenwies irgendwo im Süden Baden-Württembergs so gut wie nie auf den Columbus-Globen auftaucht, hat der Bekanntheit des Familienunternehmens in aller Welt nicht geschadet.

 

Gefunden bei Deutschlandfunk

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